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NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!

08.05.2017

Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Anwesende,
 

Heute auf den Tag vor 72 Jahren ging mit der Unterzeichnung der Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst der 2. Weltkrieg zu Ende, auch wenn an mehreren Orten in Deutschland, auch in Brandenburg, noch Kampfhandlungen stattfanden.

Auch wenn bis zum September 1945 der 2. Weltkrieg im Fernen Osten vielen weiteren Hunderttausenden Menschen das Leben kostete, auch wenn über Hiroshima und Nagasaki die grausamste Waffe überhaupt, die Atombombe, ohne militärische Notwendigkeit zum Einsatz gebracht wurde. Eine Waffe, an der auch das Hitlerregime seit Jahren arbeitete und sie für den „Endsieg“ des Hitlerregimes über die Völker auf unserem Kontinent zum Einsatz bringen wollte.

Diese Vielschichtigkeit der Beendigung des fürchterlichsten Krieges in der  Menschheitsgeschichte ist genauso Gegenstand der Positionsbestimmung und Interpretation von Politikern und Historikern wie das Aufdecken der Ursachen und Hintergründe seiner Entfesselung, des Benennens der Verantwortung von Politik und Wirtschaft für dieses finsterste Kapitel moderner Menschheitsgeschichte. Und diese Vielschichtigkeit erfordert immer wieder konkrete Positionierung - bis in die heutigen Tage. Den kein aktuelles politisches Problem im Zusammenleben der Menschen und Nationen – auch der uns scheinbar nervenden Probleme und andauernden Krisenprozesse in der Europäischen Union, ja auch international überhaupt ist ohne die Frage nach dem Warum? nach der Verantwortung und nach der Wirkungsmächtigkeit des von Deutschland entfesselten 2. Weltkrieges zu verstehen und einer Lösung zuzuführen.

Dieser 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung vom Faschismus – auch wenn in Deutschland und in anderen Ländern dieser 8. Mai nicht überall so gesehen wird, denn mit diesem Sieg der Roten Armee und der Anti-Hitler-Koalition zugleich andere alte und neue komplizierte Beziehungen zwischen einzelnen europäischen Nationen und Völkern wieder hervortraten.

Der 8. und 9. Mai waren und sind der Tag des Sieges der Völker der Antihitler-Koalition – und bis heute ist der 9. Mai in der Russischen Föderation, in Frankreich und vielen anderen europäischen Ländern – weil die letzte Unterschrift auf der Kapitulationsurkunde erst in der Nacht zum 9. Mai russischer Zeit gesetzt wurde - ein Feiertag. Wir sollten den 8. Mai auch zu einem internationalen Feiertag der Erinnerung und mahnung machen. Aber wie immer wir auch die Einordnung der Geschehnisse vornehmen: das deutsche Volk erhielt durch die Befreiung vom Faschismus die Chance, sich aus Nazidiktatur und Barbarei zu befreien und eine neue Zukunft zu eröffnen.

Ich verneige mich an dieser Stelle vor den Soldaten der Roten Armee, die im Kampf um die Befreiung vom Faschismus ihr Leben genau für diese Zukunft, für Frieden und Freiheit gaben - wie so viele andere Menschen im Kampf gegen den Hitlerfaschismus. Ich finde es gut und bedanke mich bei allen, die gekommen sind, dass wir hier heute gemeinsam am Tag der Befreiung ihrer gedenken und einige Minuten innehalten um zu hinterfragen: Mit fokussiertem nationalem Denken und Abschottung fing es an und fängt es immer an; hören wir deshalb auch heute nicht weg, wenn dergleichen Worte und Positionen das gesellschaftliche Klima zuspitzen und Fehler von Regierungen nicht klar benannt und herrschende Politik alternativlos dargestellt wird.

Dann irgendwann erhebt sich neben der Nation auch der einzelne Mensch über andere und fühlt sich als etwas Besseres. Und eine gefährliche Spirale setzt ein.

Antony Beevor hat in seiner Herausgabe der – unerlaubterweise – in Tagebüchern gesammelten Notizbücher der Kriegszeit des russisch-sowjetisch-jüdischen Schriftstellers Wassili Grossmann, in denen dieser den grauenvollen Alltag an der Ostfront und das Leben und Sterben von Soldaten und Zivilisten festgehalten, dem Vergessen entrissenhat, eine wichtige Quelle für unsere heutige Sicht auf den 2. Weltkrieg erschlossen.

Grossmann machtdiese Spirale nachvollziehbar. Denn er dokumentiert – immer an vorderster Front - "die deutsche Brutalität vom Beginn des Überfalls an ebenso wie russische Gräueltaten in den letzten Tagen des Krieges. Er verleiht dem Menschen eine Stimme. Die in ihrer Authentizität tief bewegt."

Pfarrer Martin Niemöller formulierte am 17. März 1962 in Frankfurt/Main zum 15. Jahrestag der Gründung der Verfolgten des Naziregimes, in diesem Zusammenhang: „All diese Unmenschlichkeit, die kein Recht mehr kannte, für die unmenschliches Leiden und Sterben gleichgültig wurde, und die darum aller Grausamkeit und allem Sadismus die Bahn freigab, entsprang letztlich einem grenzenlosen Machtstreben, dem es nur um die unbedingte, totale Gewaltherrschaft zu tun war. … von daher wissen wir etwas davon, dass alle Gewaltpolitik, die Menschen als Feinde sieht, zur Unmenschlichkeit führt; und dies Wissen sind wir unseren Mitmenschen schuldig, weil wir es ihnen voraushaben.“ Und er sagte als Überlebender von Folter und Einkerkerung in faschistischen Konzentrationslagern weiter etwas, was ich meine bis heute für alle von uns gilt: „..wir stehen heute hier an dem Opfermal mit dem klaren Bewusstsein, dass wir von den Toten gefragt sind, ob wir den Menschenbrüdern, mit denen wir hier noch auf Erden leben, wahrhaft zu einem leben in Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit zu helfen entschlossen sind. Und darum kommen wir nicht daran vorbei, vor allem zu warnen und im Rahmen des uns Möglichen gegen alles das zu kämpfen, was heute wieder der Unmenschlichkeit Tür und Tor öffnen will. Das Menschsein ist überall da in Gefahr, wo der Mensch zum Mittel für fremde Zwecke erniedrigt wird, und das geschieht in aller totalen Machtpolitik, ob sie sich auch religiös oder weltanschaulich tarnt,; es geschieht überall, wo man die kriegerische Gewaltanwendung vorbereitet oder auch nur in Rechnung stellt: Da wird der Mensch zum Faktor, zum Ding, zum Mittel, und er wird nicht mehr als Mensch erkannt und anerkannt. … Darum treten wir für die Menschenrechte, für das Recht freier Überzeugung und freier Meinungsäußerung ein; darum bestehen wir auf dem Recht der Gewissensfreiheit und der Glaubensfreiheit; darum wollen wir keine Hass Propaganda und keine Kalten – noch gar heißen – Krieg, sondern Frieden und Freundschaft.“

Ja, wir sind alle gleich!

Das steht in der Verfassung des Landes Brandenburg, im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, in der Grundrechte-Charta der EU und damit im Europäischen Primärrecht sowie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, beschlossen am 10. Dezember 1948 und damit gut drei Jahre nach dem Ende des fürchterlichsten Krieges in der Geschichte der Menschheit.

Brecht formulierte „Der Schoß ist fruchtbar noch …“ – es kann immer und überall wiederkommen. Leise, schleichend. Freiheit ist immer wieder aufs Neue zu verteidigen und dafür einzutreten.

Es ist und bleibt Aufgabe für jeden Einzelnen: Sich einbringen, sich beteiligen, nicht wegsehen, nicht nur andere machen lassen!

Die Anerkennung der Vielfalt der Welt, des Rechts der Völker auf eigenständige Entwicklung und Eintreten für dieselbe ist das beste Fundament für eine lebendige Demokratie und friedliches Miteinander.

Das gilt innen- wie außenpolitisch. Und erst recht in den Zeiten, da wir z.B. mit smartphones Erzeugnisse, produziert in einer globalen wirtschaftlichen Wertschöpfungskette, also von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Verkauf der Produkte, wahrhaft symbolisch in der Hand halten. Bedenken wir dabei immer bewusst, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte im Leben jeder und jedes einzelnen dabei berührt werden, wie weit sie oder er die Freiheit über die Ausgestaltung Ihrer / seines Lebens hat; erinnern wir uns dabei an die Anerkennung des Rechts jeder und jedes einzelnen auf Entwicklung?

Fragt also immer nach, glaubt nicht alles – und bildet euch eine eigene Meinung, gerade in Zeiten von sogenannten alternativen Fakten (Fake News), lest und bringt euch selbst ein!

Junge Sowjetsoldaten, kaum älter als heutige Abiturienten, ließen ihr Leben für den Kampf gegen den Faschismus und die Befreiung Nazi-Deutschlands; Sie starben für unsere heutige Freiheit: Besonderer Dank und ewige Verpflichtung zum Erinnern!

Ihr kennt keinen Krieg und werdet ihn hoffentlich auch nie erleben müssen. Auch ich selbst habe ihn nie erleben müssen. Seit nunmehr über 60 Jahren leben wir in Zentraleuropa in Frieden – auch dank der Europäischen Idee. Doch die Konfliktherde und Kriege der heutigen Zeit sind nah, sehr nah vor unserer Tür: Ukraine, Aufrüstung im Osten (NATO), Naher Osten, Syrien, Irak, Yemen …Und dieser Frieden muss immer wieder neu gesichert werden; er ist keine Selbstverständlichkeit; ja - er hat viel mit unserer Lebensweise zu tun, mit unserer Achtung und Anerkennung des Anderen und des Rechts auf Anderssein.

Und auch mit unserer Bereitschaft, mit anderen Menschen solidarisch zu sein, insbesondere wenn sie Bedroht sind: sei es durch Konflikte, schier grenzenlose Armut, Klimaveränderungen…

Vor nicht einmal 20 Jahren brach Deutschland mit der Beteiligung an einem Krieg, dem Kosovokrieg, einen nach Ende des Zweiten Weltkrieges geltenden Grundsatz: Nie wieder sollten deutsche Soldaten in Konflikte in der Welt mit Waffengewalt eingreifen. Heute ist die Bundeswehr mit Waffen und in Konfliktregionen wieder im Einsatz. andere Beweggründe und Aufgaben, aber bedenken wir immer Wirkung und Gegenwirkung, und immer die Vielschichtigkeit des Entstehens von Konflikten innerhalb von Gesellschaften und zwischen Nationen.

Bleiben wir wachsam, lassen wir nicht zu, dass immer wieder Machtgebaren und nationale Borniertheit und der Rückgriff auf das Militärische Denken und Handeln der Politik beherrscht. Und dazu gehört: NIE WIEDER FASCHISMUS! NIE WIEDER KRIEG!

 

 

 

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